
Seit bald 100 Jahren thront das weit über die Stadtgrenzen Eckernfördes bekannte Gebäude über den Hafen. Nach einer nur fünf Monate andauernden Bauzeit konnte das Rundsilo am 22.12.1931 eingeweiht werden.
Der fast 37 m hohe Getreidespeicher wurde seinerzeit von dem Architekten Heinrich Hansen aus Kiel für seinen Auftraggeber Christian Sieck entworfen. Die
Ausführungen der Baumaßnahmen übernahmen regionale Firmen, deren Angestellte häufig in Eckernförde ansässig waren. Im Inneren des Backsteinbaus befinden sich trapezförmige Silozellen, die in einen Betonkern eingebettet sind.
Insgesamt konnten seinerzeit 3.500 Tonnen Getreide gespeichert werden. Diese wurden zunächst per Pferdefuhrwerk und später per Lastwagen aus der umgebenden, landwirtschaftlich geprägten Region angefahren. Später wurde Getreide zusätzlich per Schiff angeliefert, um die im/nach dem Krieg stark angewachsene Bevölkerung zu ernähren.
1986 wurde der Betrieb eingestellt und die vorhandenen Maschinen fast vollständig abgewrackt. Ungenutzt stand das prägende Gebäude, das glücklicherweise bereits 1972 unter Denkmalschutz gestellt worden war, lange Jahre leer. Erst 2008 konnte zumindest das gesamte Erdgeschoss mit einer Gastronomie wiederbelebt werden.
Im Jahr 2003 erfuhr das prägende Gebäude eine Aufwertung in Form einer 2,60 m großen Engelsskulptur, die auf der Spitze des Rundsilos ihren Platz fand. Anlässlich der „UNICEF Schutzengel-Kunstaktion für die Kinder dieser Welt“, seinerzeit von Jochen Hillers initiiert, wurde der Engel von Edita Sieck gestiftet. Durch Spenden Eckernförder Bürgerinnen und Bürger und dem entsprechenden „Know how“ Eckernförder Handwerksbetriebe erhielt dieser seinen jetzigen Standort.
Seither gab es Konzepte zur weitergehenden Nutzung des markanten Gebäudes wie z.B. eines Gesundheitszentrums oder eines Kinocenters. Sowohl die Statik des Gebäudes, baurechtliche Bestimmungen als auch die Auflagen des Denkmalschutzes und sicherlich auch die entsprechend notwendige Finanzierung verhinderten bislang eine Umsetzung solcher Planungen.
Zugänglich wurde das Gebäude in den vergangenen Jahren lediglich aus Anlass des „Tages des offenen Denkmals“ wie im Jahr 2013, an dem auch ich teilnehmen konnte. Nach dem Aufstieg der 120 Stufen der Wendeltreppe wurden alle Besucher durch einen beeindruckenden Ausblick über den Hafen und den Ortsteil Borby belohnt.
Auch der Altstadtverein Eckernförde wünscht sich für das imposante Gebäude eine öffentliche Zugänglichkeit mit sensibler, standortgerechter Nutzung. Bis dahin heißt es abwarten und mit Glück, an einem zukünftigen Aufstieg teilzunehmen.
Bärbel Schiewer
