Station 15/25 ALTE KASERNE

Wieder einmal war es die Familie Otte, nämlich der Kaufmann, Reeder und damalige Eckernförder Bürgermeister Friedrich Wilhelm Otte, der 1761 vor den Toren der Stadt einen Fabrik- und Arbeiterwohnkomplex errichten ließ. Diese Otteschen Fabriken erstreckten sich ursprünglich nicht nur auf dem Areal des heutigen Glanzstückes, sondern auch auf die gegenüberliegende Straßenseite der Kieler Straße. 500 Arbeiter waren in den Anfangsjahren in einer Wollspinnerei und einer Mützenweberei tätig. Einige Jahre später zog die Fayence-Manufaktur des Bruders Johann-Nikolaus Otte mit ein. Nachdem beide Brüder im Laufe der Jahre verstorben waren, endete die Produktion im Jahr 1780.

Das gesamte Objekt wurde von dem Landgrafen Carl von Hessen, Stadthalter auf Schloss Gottorf, käuflich erworben. Dieser ermöglichte dem Grafen Saint Germain, in den alten Gebäuden eine Farbenfabrik einzurichten. Dieser sagenumwobene Graf, dessen eigentlicher Name nicht wirklich bekannt war, hatte seinerzeit einen eigenwilligen Ruf, der von „Größter Weltweise“, „Fürst des Schwindelns“,“ Betrüger allerersten Ranges“ oder auch „Seele aller Gesellschaften“ betitelt wurde. Als dieser 1784 verstarb, überließ Carl von Hessen das Anwesen der dänischen Krone zur Unterbringung von Invaliden und Militärwaisen. Vermutlich wurden die Gebäude zum größten Teil neu gebaut und erweitert und 1785 als „Christians Pflegeheim“, benannt nach dem dänischen König Christian, neu eröffnet. Einige hundert mittellose Soldaten, Soldatenwitwen und 120 Soldatenkinder fanden hier Aufnahme. Auch eine Schule war in dem Gebäudekomplex untergebracht. Der bekannteste Schüler war der spätere Staatsrechtslehrer und Soziologe Lorenz von Stein. Ihm zu Ehren wurde ein Bronzeportrait an dem Gebäude der „Alten Kaserne“ angebracht. Das Pflegehaus bestand bis 1864 und wurde dann aufgelöst. Lediglich in den Jahren 1867 bis 1870 erfuhr das Gebäude eine Nutzung als Kaserne.

Die Sturmflut 1872 beschädigte die östliche Häuserreihe in der Kieler Straße derart, dass sie abgerissen werden musste. Die Gebäude auf der Westseite wurden danach in viele kleine Wohnungen aufgeteilt.

Ein ursprünglicher Querflügel, der sich am südlichen Giebel des jetzigen Gebäudes anschloss, brannte Anfang der 1970er Jahre aus und wurde anschließend wegen des Durchbruches der Reeperbahn zur Kieler Straße abgebrochen. Seit dieser Zeit wurde das Gebäude mit einem Schlämmanstrich versehen.

Die zuständige Denkmalschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde beurteilt das Gebäude wie folgt:

Der Denkmalschutz erstreckt sich auf das gesamte Äußere des langgestreckten zweigeschossigen Backstein-Traufenhauses von 1785 mit einem zur Nordseite ausgebildeten Halbwalmdach, dabei insbesondere auf die frühklassizistische Straßenfront, die durch drei zweiachsige rustizierte Türrisalite – der mittlere flach übergiebelt – und durch einen schmalen horizontalen Wandstreifen gegliedert ist. Der Denkmalschutz umfasst noch voll den ursprünglichen zum Hausteil Nr. 102 gehörigen dritten Türrisalit. Zweigeschossiger Breitbau mit schlicht barock-klassizistischer Front, die durch flache genutete Risalite gegliedert wird, der ehem. mittlere übergiebelt, Bauteile bis zum südl. nach Brandfall 1972 abgebrochen.

Warum die Bezeichnung „Alte Kaserne“ sich bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten hat, ist fraglich, denn Soldaten waren nur für ca. drei Jahre (1867 bis 1870) in diesem Gebäude untergebracht. Vielleicht sind es die vielen kleinen Wohnungen, die nach der Kasernennutzung dort untergebracht wurden, und dadurch weiterhin den Kasernencharakter mit der Unterbringung vieler Menschen auf engstem Raum widerspiegeln.