Station 11/25 JUNGFERNSTIEG 37

Ja, wenn das nicht nach Jugendstil aussieht! So stand es im Kurztext auf der Glanzstück-Postkarte. Der Bau des Gebäudes ist auf 1901 datiert. Es zeigt zumindest in seinem Äußeren typische Jugendstilelemente wie organische Formen, fließende Linien und Naturmotive. Die Natur diente als beliebtes Vorbild und Stilmittel für die Jugendstilepoche in der Zeit der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. Es wird vermutet, dass der damalige Bauherr, der Gastwirt Adolf Schmidt, das Gebäude selbst entworfen hat.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Auf Nachfrage des Altstadtvereins bei der zuständigen Unteren Denkmalpflegebehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde wurde uns folgende Bewertung des Gebäudes übermittelt und wortwörtlich übernommen (Anm. d. Red.: Die Bewertung liegt schon einige Jahre zurück, eine Aktualisierung ist vorgesehen.):

Bei dem Objekt handelt es sich um mehrere zusammengebaute Gebäude auf einem lang gestreckten Grundstück, das sich vom Jungfernstieg am Schnittersgang entlangzieht. Bei dem Vorderhaus am Jungfernstieg handelt es sich um einen zweigeschossigen verputzten Backsteinbau auf längsrechteckigem Grundriss, errichtet 1901, mit aufwändiger, asymmetrisch ausgebildeter Schaufassade. Das steinsichtige Erdgeschoss mit korbbogigen Öffnungen, deren Bogenmauerungen in das verputzte Wandfeld darüber hineinragen und den Hauptfassaden an Jungfernstieg und Schnittersgang eine jugendstilige Bewegtheit verleihen. Der südlich gelegene Eingang mit originaler Oberlichttür und seitlichen Flurfenstern korrespondiert mit dem großen Wohnstubenfenster daneben. Das durch den Verputz erhöht wirkende Obergeschoß durch drei große Kreuzstockfenster ausgezeichnet, das südliche über dem Eingang mit originalem gitterbewehrten Balkon. Die beiden nördlichen Achsen risalitartig von einem prachtvollen Schweifgiebel mit dekorativer Sims- und Pilastergliederung, Zweifenstergruppe sowie rahmenden Sonnenreliefs überfangen. Das seitliche Wohnstubenfenster am Schnittersgang mit originalen Glasbausteinen. Hinter dem Gebäude schließt am Schnittersgang ein langer schmaler, mauerbewehrter Hof an, dahinter der Räuchereiflügel mit erhaltenen Öfen und Schornstein.

Bei der Gebäudegruppe handelt es sich um eine der letzten, vollständig erhaltenen Räuchereien in Eckernförde mit Wohnhaus, Räucherei, Schornstein und Öfen, Verarbeitungsräumen und Wirtschaftshof. Ihr kommt damit eine besondere historische und städtebauliche Bedeutung zu. Sie dokumentiert eine wesentliche Periode in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem vom Fischfang und der Fischverarbeitung geprägt war.  Räucherfisch aus Eckernförde, vor allem die berühmten Sprotten, aber auch Bückling und Makrelen wurden landesweit gehandelt. Zahllose Räuchereischornsteine beherrschten das Stadtbild. Dem hier noch vorhandenen kommt besondere stadtbildprägende Bedeutung zu, da ihm gegenüber am Schnittersgang noch ein zweiter erhalten ist (Anm. d. Red.: „Alte Fischräucherei“ in der Gudewerdtstraße 71). Die frühere Dichte dieser Industrie in den engen Gassen der Altstadt ist nur noch an dieser Stelle zu erleben.

Wann im rückwärtigen Grundstücksbereich die Räucherei entstand, ist nicht bekannt. Geräuchert wurde im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Im Jahrbuch der Heimatgemeinschaft von 2004 tauchen die Namen Heinrich Neumann 1925 und Martin Scheller 1926 als Eigentümer auf. Der seinerzeit errichte Schornstein und die sechs Räucheröfen sind noch immer vorhanden. Viele der Kleinutensilien dieser Räucherei wurden dem Museumsverein der „Alten Fischräucherei e.V.“ in der Gudewerdtstraße 71 freundlicherweise zu Ausstellungszwecken überlassen.

Der Zahn der Zeit nagt inzwischen sowohl am rückwärtigen Gebäudeteil der ehemaligen Räucherei als auch an dem einzigartigen Wohnhaus im Jungfernstieg. Die zwischenzeitlich durchgeführten Ausbesserungsarbeiten können nicht über den vermutet schlechten Gebäudezustand hinwegtäuschen. Auch der Altstadtverein Eckernförde bedauert dies und wünscht sich den Erhalt dieses einmaligen Glanzstückes in der Eckernförder Altstadt.