Station 10/25 GUDEWERDTSTRASSE

Wahrscheinlich erhielt der Straßenzug Anfang der 1920 Jahre den heute gebräuchlichen Namen Gudewerdtstraße. Ursprünglich wurde diese als „Hinterstraße“ bzw. auf Plattdeutsch „Achterstraat“ bezeichnet, was durch die Lage hinter dem Jungfernstieg, der ersten Straße am Wasser gelegen, begründet ist. Mit der neuen Namensgebung erinnert die Stadt Eckernförde an den Holzbildschnitzer Hans Gudewerdt den Jüngeren, der um 1600 als Sohn des Meisters des Eckernförder Schnitkeramtes, Hans Gudewerdt I., geboren wurde. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und absolvierte dann eine mindestens fünfjährige Lehre als Bildschnitzer in der Werkstatt seines Vaters, die in der Gudewerdtstraße ansässig gewesen sein soll.

Unter anderem ist er heute bekannt durch die von ihm geschaffenen Epitaphe und großen Altäre im Raum Schleswig-Holstein und im Besonderen in Eckernförde. Hans Gudewerdt starb 1671 als wohlhabender und angesehener Äldermann und Meister des Schnitkeramtes in Eckernförde.

Seit 2023 erinnert eine Bronzeplastik eines Charakterkopfes (ein Bildnis Gudewerdts ist nicht überliefert), geschaffen von dem Künstler Manfred Sihle-Wissel, an die berühmte Persönlichkeit der Stadt Eckernförde. Auf der mit großem Baumbestand gelegenen Grünfläche zwischen Gudewerdtstraße und Rosengang ist diese Plastik zu entdecken. Gleich daneben zeigt eine Schautafel den ersten bekannten Stadtplan Eckernfördes von Braun/Hogenberg, der spätestens 1618 erstmal veröffentlicht wurde.

Die folgenden fünf Beispiele sollen Sie nun anregen, den Glanz der Gudewerdtstraße vor Ort einmal genauer zu betrachten:

Gudewerdtstraße 2

Die Inschrift über der Tür „Nicolai Stift“ macht bereits deutlich, dass es sich um kein gewöhnliches Wohnhaus handelt. Der im Stadtbesitz befindliche Bau diente stets den armen und arbeitsunfähigen Bürgerinnen und Bürgern als Unterkunft und hat die längste Tradition dieser Art in Eckernförde. Die am Gebäude befindliche Jahreszahl verweist auf das Jahr 1870. Das heute zweigeschossige Ziegelbauwerk wird bereits im Stadtplan von Braun/Hogenberg dargestellt und soll mehrfach neu erbaut worden sein.

Gudewerdtstraße 19

Dieses Gebäude ist in seiner Art eher einzigartig in der Gudewerdtstraße. Die Höhe und Länge des Gebäudes, die großen Fenster, das mächtige Krüppelwalmdach, der Kranbalken mit der Bodenluke und der mehrstufige Aufgang zur rundbogigen Eingangstür mit Oberlicht und Laterne deuten auf wohlhabende Bewohner hin. Auch bei diesem Gebäude, das im rückwärtigen Bereich Ställe und Nebengebäude beherbergte und bis an den Strand reichte, wird die Eckernförder Kaufmannsfamilie Friedrich Wilhelm Otte als Eigentümer vermutet. Heute ist das Grundstück geteilt und es befinden sich mehrere Wohnungen in dem denkmalgeschützten Gebäude.

Gudewerdtstraße 21

Dieses giebelständige Fachwerkgebäude ähnelt dem Gebäude im Kattsund 13, welches bereits in dem Glanzstück „Kattsund“ kurz beschrieben wurde. Aufgrund seiner Bauweise und der Baumaterialien ist es sicherlich älter, belegen lässt sich das Alter jedoch erst seit 1766, als die Brandversicherung eingeführt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte lebten und arbeiteten hier Handwerker mit verschiedenen Berufen. So lassen sich ein Fischer und Heringsräucherer, ein Bäcker und ein Seemann nachweisen. Es folgte die Unterbringung der Eckernförder Kreditbank und eines Klaviertechnikers. Heute ist hier die Künstlerwerkstatt des Ehepaars Krause zu finden. Schauen Sie mal rein!

Gudewerdtstraße 26

Hier sehen Sie das ehemalige Feuerwehrgerätehaus der Eckernförder Feuerwehr, zumindest die Tore zu den Fahrzeuggaragen deuten dies noch an. 1905 wurde es in Betrieb genommen und 1969 aufgrund des Neubaus in der Noorstraße außer Dienst gestellt.

Inzwischen ist dieser Bereich überplant, der rechtskräftige Bebauungsplan Nr. 4/10 setzt für den gesamten Geltungsbereich ein urbanes Gebiet (§ 6 a Baunutzungsverordnung) fest. Auf diesem Grundstück Ecke Gudewerdtstraße/Rektorgang ist auf der bestehenden überbauten Fläche eine zukünftige Bebauung mit einer Traufhöhe von 9 m und einer Firsthöhe von 11 m zulässig. Es ist daher damit zu rechnen, dass dieses historische Gebäude über kurz oder lang verschwindet und einem Mehrfamilienhaus, wie bereits in der Nachbarschaft umgesetzt, Platz machen wird.

Gudewerdtstraße 71:

Eigentlich muss die hier ansässige „Alte Fischräucherei“ nicht mehr erwähnt werden, denn sie ist sicherlich bereits vielen Einheimischen und Gästen bekannt. Der heutige Museumsverein ist aus dem Altstadtverein Eckernförde hervorgegangen und am 21.Januar 2009 mit dem Ziel, eine Räucherei zu erwerben und als Museumsräucherei zu betreiben, gegründet worden.

Glückwunsch, tolles Ergebnis! Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, dieses „Glanzstück“ der Eckernförder Altstadt noch nicht besucht haben, dann wird es Zeit.

Quellen:

Aufzeichnungen Cäcilie Dronske der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V.

Internetseite Stadt Eckernförde

ECKernförde-Lexikon, Herausgeber Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V.

Festschrift  „10 Jahre Altstadtverein Eckernförde“

Fotos: Bärbel Schiewer